MENÜ

„Wir müssen die Technik mehr leben“ Unternehmerin Inge Meißner sieht für Mädchen in technischen Berufen sehr gute …



  • Inge Meißner; Unternehmerin aus Villingen-Schwenningen, ist Schirmherrin der Aktionswoche „Mädchen und Beruf 2008“ in der Gewinnerregion Schwarzwald-Baar-Heuberg. Zur Berufung gratulierte der regionale Wirtschaftsförderer Heinz-Rudi Link. Foto: A. Villing/AVi-

    Die regionale Aktions-woche „Mädchen und Beruf“ geht vom 21. bis 25. April in die sechste Auflage. Erfolgreiche Frauen in der Gewinnerregion übernehmen traditionell die Schirmherrschaft zu den beruflichen Schnuppertagen für Mädchen im Alter zwischen zehn und 18 Jahren. Für 2008 gewann dafür die Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg die Unternehmerin Inge Meißner (Firma Schlenker Spannwerkzeuge) aus Villingen-Schwenningen.

    Zur Aktionswoche mit bundesweitem „Girl’s Day“ am 24. April und der Motivation von Mädchen für technische Berufe sprachen wir mit der Schirmherrin.

    Frau Meißner, als Schirmherrin unterstützen Sie die Aktionswoche „Mädchen und Beruf 2008“ in der Gewinnerregion. Wie sehen Sie Ihre Rolle und wie werden Sie sich aktiv einbringen?

    Inge Meißner: Ich will in dieser Woche für die teilnehmenden Mädchen sehr präsent sein. Mit den Botschafterinnen plane ich einen regen Gedankenaustausch. Ich werde sie in mein Unternehmen einladen und sie sollen mir von ihren Erfahrungen berichten.

    Hauptziel der Aktionswoche ist es, Mädchen für technische Berufsbilder zu begeistern. Aber wie offen zeigen sich die Unternehmen, ihnen einen technischen Ausbildungsplatz zu stellen.

    Inge Meißner: Dazu stelle ich eine große Offenheit der Unternehmen in unserer Region fest. Das Problem liegt noch in der Zurückhaltung der Mädchen. Sie müssen einfach ihr Interesse an technischen Berufen stärker bekunden und auf die Unternehmen mutig zugehen.

    Die Klagen über Facharbeiter- und Ingenieurmangel nehmen nicht ab. Wie könnten hier zukünftig technikbegeisterte Mädchen die Lücken dauerhaft schließen?

    Inge Meißner: Wenn immer mehr Mädchen auch technische Berufe ergreifen, gibt es gute Chancen für eine verbesserte Situation. Wir müssen den Mädchen und ihren Eltern nur klar machen, dass sich die Industrie und das Handwerk sehr flexibel auf junge Frauen am Arbeitsplatz einstellt. Die Arbeitszeiten sind oft besser und familienfreundlicher als im Dienstleistungssektor. Und für die Erziehungspause gibt es bei den Unternehmen sehr gute Modelle.

    Wie motivieren Sie in Ihrem Unternehmen selbst und in Ihrem persönlichen Umfeld für das Thema „Frau und Technik“?

    Inge Meißner: Ich habe drei Töchter und davon haben zwei Maschinenbau studiert. Ich habe diese Wege immer unterstützt und beide fühlen sich in ihren technischen Berufen sehr wohl. Weiter stelle ich oft fest, dass die Chancen für gute Arbeitsplätze und verantwortliche Positionen mit einem technischen Beruf oder einem Ingenieurstudium auch für junge Frauen immens hoch sind.

    Seit mehreren Jahren gibt es den bundesweiten „Girls’ Day“. Reicht eine solche Kampagne aus, um Mädchen für technische Berufe zu gewinnen oder müssen Wirtschaft und Politik zusätzliche Struktur-Programme ausarbeiten?

    Inge Meißner:Neue Programme und die Verbesserung von Strukturen sind immer förderlich. Doch man muss solche Angebote annehmen. Es ist für mich viel wichtiger, die Technik mehr zu leben und ihr offener zu begegnen. Das sollte im Elternhaus, in den Kindergärten und den Schulen früh beginnen. Natur und Technik lassen sich sehr anschaulich darstellen. Dazu müssen wir effiziente Lernprogramme und gute praktische Beispiele ausarbeiten, die Kinder und Jugendliche mit Begeisterung an die Thematik heranführen.

    Info – Zur Person
    Inge Meißner ist alleinige Gesellschafterin der Firma Schlenker Spannwerkzeuge GmbH & Co. KG mit 40 Beschäftigten am Standort „In der Lache 20“ in Villingen-Schwenningen. Sie und ihr Ehemann Josef Meißner erwarben 1986 das Unternehmen. Bereits 1991 erfolgte in der Firmengeschichte ein Meilenstein mit dem Bau des Betriebsgebäudes am heutigen Standort. 1999 musste Inge Meißner durch den frühen Tod ihres Ehemannes einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen.  Sie führte allerdings das Unternehmen in alleiniger Verantwortung engagiert weiter und kümmerte sich hinzu um die Erziehung ihrer drei Töchter. Mit großem Einsatz leitete sie den technischen Betrieb und baute ein modernes Unternehmen auf. 2008 übergab sie die Geschäftsführung an Tochter Britta Hoffmann, ist aber nach wie vor im Unternehmen aktiv tätig. (avi).