Handwerk in Rottweil kämpft um Nachwuchs



  • : Ideensammlung für ein Ausbildungskonzept im Bereich Handwerk (v.l.): Kreishandwerksmeister Andreas Frank, Henriette Stanley, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg, und Angelika Rauser, Leiterin der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft.

    Region, Rottweil.  Hat das Handwerk ein Nachwuchsproblem? Erfolgreich Auszubildende zu rekrutieren, wird auch für Handwerksbetriebe im Landkreis Rottweil zur Mammutaufgabe. Oft herrscht Ratlosigkeit. Zu diesem Thema tauschten sich Angelika Rauser, Leiterin der Geschäftsstelle in Rottweil, Andreas Frank, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft und Henriette Stanley, regionale Wirtschaftsförderin in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg aus.

    Boomendes Handwerk hat keinen Nachwuchs

    Fest steht: Das Handwerk ist nach wie vor ein elementar wichtiger Bestandteil der Wirtschaft und Handwerksberufe genießen mehr denn je hohes Ansehen und große Nachfrage. Dennoch fehlt in den Betrieben der Nachwuchs. Dies scheint nur teilweise einem Imageproblem, sondern eher dem demografischen Wandel geschuldet zu sein. Darüber waren sich Henriette Stanley, Geschäftsführerin der regionalen Wifög, Angelika Rauser, Leiterin der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft, sowie Kreishandwerksmeister Andreas Frank einig. Vielmehr lasse sich die Entwicklung erklären durch sinkende Zahlen der Schulabgänger und dadurch, dass leistungsstarke Schüler vermehrt an die Hochschule oder in kaufmännische Berufe gehen.

    Diese Erfahrung macht auch Andreas Frank, „Goldener“ Maurermeister aus Rottweil.  Bereits seit zwei Jahren hat der Betrieb keine Auszubildenen mehr. Grund könnte auch sein, dass sein Geschäft eine halbe Stunde von Rottweil entfernt liegt: Da der Ort schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden ist, können besonders Minderjährige ihn schwer erreichen. „Erfahrungsgemäß bleiben Auszubildene, die einmal ihre Ausbildung gestartet haben, dabei und springen nicht ab“, so Frank.

    Gemeinsam tauschten die Wifög, die Handwerkskammer Konstanz und die Kreishandwerkerschaften Ideen aus und arbeiten an einem Konzept, um Ausbildungsberufe im Handwerk attraktiver zu machen. Klar ist: Ein passendes Marketing zur Nachwuchswerbung muss her.

    Botschafter oder Berufsmesse für Handwerk könnten helfen

    So könnten beispielsweise junge Menschen aus verschiedenen Innungen des Handwerks als Botschafter fungieren. Auch Eltern, die einem handwerklichen Beruf nachgehen und deren Kind bzw. Kinder, die in deren Fußstapfen treten, könnten über ihre Erfahrungen berichten.  Ein weiterer Ansatz ist, eine Jobmesse speziell für das Handwerk sowie Bildungspartnerschaften ins Leben zu rufen. „Wichtig ist es, die Eltern einzubeziehen – sie spielen in der Berufsentscheidung der Kinder eine immer wichtigere Rolle“, berichtet Angelika Rauser von ihren Erfahrungen.

    Das typische Marketinginstrument „Messe“ sei jedoch eher schwieriger zu betrachten: Die Jobs4Future war beispielsweise in der Vergangenheit für das Handwerk nicht immer erfolgreich. Innungen seien mit dem Rücklauf unzufrieden gewesen.

    Auch für Kleinbetriebe seien Kosten für den Stand sowie das Personal an Messen oft nicht zu leisten. „Formate wie Messen müssen sich weiterentwickeln, um die Zielgruppen zu erreichen“, so Wirtschaftsförderin Stanley. „Als traditionell starke Handwerksregion müssen wir alles daransetzen, unsere Betriebe hier zu unterstützen und geeignete Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung einzusetzen.“

    Zum Hintergrund:

    Die Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg sitzt in Villingen-Schwenningen. Hinter ihr stehen 24 Gesellschafter, darunter vor allem Städte und Gemeinden, die drei Landkreise Rottweil, Tuttlingen und der Schwarzwald-Baar-Kreis, der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg, die IHK SBH und Handwerkskammer Konstanz. Geschäftsführerin ist Henriette Stanley, Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Roth. Die Wirtschaftsförderung vernetzt regionale Unternehmen, bewirbt die Region nach außen, vermarktet Gewerbeflächen und möchte die regionale Zusammenarbeit und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.